Freitag, 26. Februar 2016

Stein der Geduld II Atiq Rahimi [Rezension]

"Weil ich von nun an deinen Körper besitze, und du meine Geheimnisse. Du bist für mich da. Ich weiß nicht, ob du sehen kannst oder nicht, aber etwas weiß ich ganz sicher, du kannst mich hören, du kannst mich verstehen. Und darum bist du am Leben. Ja, du bist für mich am Leben, für meine Geheimnisse." (S.97)

Titel: Stein der Geduld
Autor: Atiq Rahimi
Format: Taschenbuch
Verlag: List 
Preis: 9,99 Euro
Genre: Afghanistan, Roman 

Zusammenfassung:

Eine afghanische Frau bricht ihr Schweigen: Voller Verzweiflung und Wut erzählt sie ihrem im Sterben liegenden Mann von verlorenen Hoffnungen, verwehten Träumen und den Qualen der Ehe. Es ist eine schmerzerfüllte, dramatische Rede, gerichtet an einen, der sie vielleicht nie hören wird.

Meinung:

Der Roman erzählt von einer tapferen Frau in Afghanistan, die versucht ihren Mann gesund zu pflegen. Jede Versuchung ist vergeblich, denn er liegt im Sterben. Regelmäßig muss die Frau, dessen Name bis zum Romanende unbekannt bleibt, seinen Katheter wechseln, ihn waschen und ihm Geschichten erzählen. Das ist das Mindeste, was die Ehefrau, in den letzten Minuten, Stunden, Tagen, Wochen und Monaten machen kann. 

Es ist unglaublich und ziemlich interessant, wie eine so banale und doch komplexe Geschichte in nur einem räumlichen Muster erzählt wird. Die Geschichte spielt nämlich in einem Raum in Afghanistan. Gefangen zwischen vier Wänden. Zwei Personen, die jeden Tag im gleiche Raum sitzen. Die Ehefrau hält über den ganzen Romanverlauf über innere Monologe, die sie mit ihrem Ehemann teilt, dabei erzählt sie dem Leser ihre und seine Geschichte. 

Obwohl ihr Ehemann keine Reaktion zeigt, redet sie einfach weiter. Die afghanische Frau ist sehr stark. Zum einen weil sie Mutter von zwei Kindern ist und zum anderen, weil sie ihren Ehemann, der ihr viel schlechtes in der Vergangenheit angetan hat, gesund pflegen möchte. Es herrscht Krieg in Afghanistan und das merkt man auch schnell im Roman. 
Erst brechen Diebe in ihr Haus. Draußen sind Bomben zu hören. Und dann dringt auch noch ein kleiner stotternder Talibanjunge, der die Ehefrau auf indirekte Weise wiederholte Male vergewaltigt, in ihr Haus. Das merkwürdige dabei ist, dass sie es zulässt, aber anschließend sich im Bad schrubbt, weint und schreit.

Wie kann jemand so ein Leben führen?

Das habe ich mich spätestens nach den ersten fünf Seiten bereits gefragt. Wie kann jemand so ein grauenvolles Leben führen? 

Der Roman besitzt viele sexuelle Konflikte, aber nicht um den Leser zu provozieren, das merkt man jedoch erst, wenn man die Geschichte selbst liest.

Interessant ist außerdem, dass der Roman nicht in Kapitel eingeteilt ist. Es handelt sich um eine Geschichte, die von Anfang bis zum Ende ohne Pausen erzählt wird. Es ist als ob die afghanische Frau zum Leser spricht und dabei nicht einmal ausatmet. Das macht den Lesefluss außerdem sehr flüssig.

Ich möchte diese außergewöhnliche Geschichte, die in Afghanistan spielt, gerne weiterempfehlen, da sie dem Leser viele Wendungen und Überraschungen bietet. Des Weiteren kann man viel von der gestörten Beziehung der Protagonisten lernen. Leser von Khaled Hosseini werden sehr begeistert sein.

Meine Bewertung:



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